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Das Aquarium (v. lat. aqua „Wasser“)
ist die verbreitetste Art des Vivariums. Meist handelt es sich bei ihnen um
Gefäße aus Glas oder durchsichtigem Kunststoff, die mit Wasser befüllt werden.
Mit Hilfe von Fischen und wirbellosen Tieren wie Weichtieren oder auch Krebsen
sowie Wasserpflanzen und Bodenmaterialien, meist Kies oder Sand, stellt der
Aquarianer eine Unterwasserwelt her und erhält sie am Leben. Auf Wassertiere
spezialisierte Zoos (auch Aquazoos genannt) bezeichnen sich ebenfalls als
Aquarien.
Früher nannte man den Kellerraum in Apotheken, der zur Aufbewahrung flüssiger
Arzneistoffe in Flaschen, Fässern usw. bestimmt war, „Aquarium“. In England
wurde der Begriff „Aquarium“ dann verwendet, um die in den Glashäusern zur
Pflege von Wasserpflanzen (aber nicht Wassertieren) aufgestellten Bassins zu
bezeichnen. Der moderne Begriff des Aquariums wurde im 19. Jahrhundert üblich.
Geschichte des Aquariums
Ursprünge
Die Haltung von Fischen in einer künstlichen Umgebung hat eine weit
zurückreichende Vergangenheit. Bereits die Sumerer hielten gefangene Fische in
Teichen, bevor sie sie für Mahlzeiten zubereiteten. Ähnliches ist aus dem alten
Ägypten bekannt. Für alle Tempelgärten von der frühdynastischen Zeit bis zum
Neuen Reich gilt, dass sie mit rechteckigen Wasserbassins ausgestattet waren.
Auch in den häufig relativ kleinen ägyptischen Hausgärten hatten künstlich
angelegte Teiche und Becken eine zentrale Rolle inne. Auf einem altägyptischen
Gartenmodell, das sich heute im Metropolitan Museum in New York befindet, nimmt
das von Maulbeerfeigen umrahmte Wasserbecken fast die ganze Gartenfläche ein.
Aufgrund von Abbildungen, die man in der Ausgrabungsstätte Oxyrhynchus gefunden
hat, weiß man, dass in solchen Becken Fische gehalten wurden.
Ähnlich alt ist die Haltung von Fischen in China. Die gezielte Züchtung von
Karpfen begann vermutlich vor ca. 2.500 Jahren; das älteste Buch zur Fischzucht
datiert in die Zeit von 770 bis 476 v. Chr. Während der Song-Dynastie (960–1216
n. Chr.) begann die Domestikation des Goldfisches aus der Silberkarausche, ab
dem frühen 16. Jahrhundert ist belegt, dass Goldfische in großen Keramikgefäßen
auch in Häusern gehalten wurden. 1596 erschien das erste Buch zum Thema Aquarium
von Chang Chi'en-te mit dem Titel „Chu sha yü p'u“, auf Deutsch „Traktat über
die Goldfische“.
Der Beginn der Aquaristik in
Europa
Der genaue Zeitpunkt, zu dem erstmals Lebewesen in durchsichtigen Behältern
gepflegt wurden, lässt sich nicht genau bestimmen. Der englische
Tagebuchschreiber Samuel Pepys notierte 1665 in seinen Aufzeichnungen, dass er
in London Fische gesehen habe, die in einem Wasserglas am Leben gehalten wurden.
Vermutlich handelte es sich dabei um Paradiesfische, die durch die
Handelsbeziehungen der East India Company aus Kanton, wo sie in Gartenteichen
gehalten wurden, nach London gelangten. Zunächst waren es vor allem
naturwissenschaftliche Forscher, die Lebewesen in Behältern hielten, um daran
ihre Untersuchungen vorzunehmen. Der britische Chemiker Joseph Priestley
beispielsweise, der 1774 gleichzeitig mit dem Schweden Carl Wilhelm Scheele den
Sauerstoff entdeckte, nahm weitergehende Untersuchungen zum Sauerstoff an
Wasserpflanzen vor, die er in seinem Labor hielt.
Emil Adolf Roßmäßler, „Vater der deutschen Aquaristik“
Auf der Weltausstellung 1851 in London wurden erstmals Aquarien einer breiten
Öffentlichkeit gezeigt. Die Scheiben dieser Aquarien wurden von einem
gusseisernen Rahmen zusammengehalten.
Den Begriff „Aquarium“ prägte allerdings der englische Naturforscher Philip
Henry Gosse in seiner 1853 erschienenen Veröffentlichung „A Naturalist's Rambles
on the Devonshire Coast“. Das Buch fand in der britischen Öffentlichkeit sehr
großen Anklang. Es kam in Mode, Lebewesen zumindest kurzfristig in kleinen
Glasbehältern zu pflegen, um sie besser studieren zu können. In Deutschland war
es vor allem der Naturforscher, Pädagoge und Schriftsteller Emil Adolf Roßmäßler,
der mit verschiedenen Artikeln dieses Hobby in Deutschland populär machte. Er
wird daher scherzhaft auch als „Vater der deutschen Aquaristik“ bezeichnet. 1854
erschien von ihm in der damals populären Familienzeitschrift Die Gartenlaube der
Artikel Der Ocean auf dem Tisch. Ähnlich wie Gosse stellte er hier die Pflege
von Seewassertieren vor. Roßmäßler verfolgte mit der Veröffentlichung das Ziel,
die Naturwissenschaft im Volk bekannt und populär zu machen. Ihm wurde
allerdings bald klar, dass dies durch ein Süßwasseraquarium einfacher zu
erzielen war. Deswegen folgte in der Gartenlaube sehr bald der Artikel Der See
im Glase, der zu so viel Rückfragen zu dieser Form der Tierhaltung führte, dass
er 1857 sein Buch Das Süßwasseraquarium veröffentlichte. Roßmäßler gab darin
konkrete Hinweise, wie ein solches Aquarium einzurichten und zu pflegen sei.
Neben dem Goldfisch empfahl er vor allem die Elritze und den Schlammpeitzger.
Roßmäßlers Veröffentlichungen folgten eine Vielzahl von weiteren Aquarienbüchern
und -zeitschriften. Aquarienvereine wurden in ganz Deutschland gegründet. Es
wurde modern, in den Wintergärten der Gründerzeitvillen ein sogenanntes
Salonaquarium oder ein Goldfischglas aufzustellen.
Hier leben die Tiere genauso wie in der Freiheit – anders als die in Käfigen
gefangenen Vögel, Reptilien und Insekten. Durch nichts gehemmt und eingeengt,
zeigen sie sich dem Beobachter in ihrer ganzen Naturwüchsigkeit, in ihrer vollen
Natürlichkeit. (zit. n. Horst & Kipper, S. 12) hieß es in einem 1880
veröffentlichten Aquarienbuch.
Aus heutiger Sicht ist diese euphorische Sicht nicht zutreffend. Man hatte zur
damaligen Zeit wenig Wissen über die Bedürfnisse der gehälterten Lebewesen oder
die im Aquarium ablaufenden Prozesse. Aquarien wurden damals teilweise noch mit
Kerzen geheizt, die unter dem Aquarium aufgestellt wurden. Im Herbst starben die
Pfleglinge sehr häufig, weil es dem Wasser an Sauerstoff mangelte und man nicht
in der Lage war, für eine ausreichende Beleuchtung der Aquarien zu sorgen.
Entwicklungen bis heute
Die Weiterentwicklung der Aquaristik während der letzten einhundert Jahre
ist vor allem auf das Verständnis zurückzuführen, dass ein Aquarium in der Regel
ohne entsprechende technische und chemische Unterstützung keinen Lebensraum für
Fische und Pflanzen bieten kann. Der Schwerpunkt der technischen
Weiterentwicklung lag dabei vor allem in der zweiten Hälfte des 20.
Jahrhunderts. Ausschlaggebend war neben einem zunehmenden Wissen über die
biologischen und chemischen Vorgänge in einem Aquarium die Verfügbarkeit von
Materialien für den Bau immer ausgefeilterer Aquarienfilter, verbesserter
Beleuchtungssysteme und kleinerer Pumpen sowie eine ausreichende Kaufkraft eines
genügend großen Anteils der Bevölkerung, der bereit war, in dieses Hobby zu
investieren und solche Produkte nachzufragen. Auch in den Communities findet das
Thema zusehends seine Verbreitung.
Hammerkoralle (Euphyllia paraancora) – Großpolypige, langsam wachsende
Steinkorallen können in Deep Sand Bed-Aquarien gewaltige Größen erreichen.
Aquarien können aus unterschiedlichem Material gefertigt sein. Bis Ende der
1960er Jahre waren die meisten Aquarien Rahmenaquarien, bei denen Glasscheiben
in Metallrahmen eingekittet wurden, oder Vollglasaquarien bis etwa 20 Liter
Fassungsvermögen. Eine entscheidende Konstruktionsänderung kam erst mit der
Entwicklung der Silikonkleber, welche die früheren Metallrahmen überflüssig
machten. Damit waren rahmenlose Aquarien in den verschiedensten Größen und
Formen möglich. Die typischen Aquarien der 1960er und 1970er Jahren waren meist
an den Seiten mit Holz verkleidet. Damit sollte sichergestellt werden, dass sich
das Aquarium harmonisch in die Wohnung einfügte. In dieser Zeit wurde zunehmend
auch Wert auf eine harmonische Pflanzenvielfalt im Becken gelegt, so dass das
holländische Pflanzenaquarium entstand.
Für die Aquarien gibt es verschiedene Möglichkeiten und Methoden zur
Temperatureinstellung. Gebräuchlich sind Kontaktthermometer, elektronische
Regeleinrichtungen und manuelle Temperatureinstellung. Heute haben die in
Aquarien verwendeten Stabheizungen Messsonden, die eine gradgenaue Einstellung
ermöglichen, ohne dass Zusatzgeräte erforderlich sind. Elektronische
Einrichtungen erlauben teilweise auch eine zeit- oder tageslichtgesteuerte
Temperaturführung entsprechend den täglichen Temperaturschwankungen in den
Ursprungsgebieten der Fische. Eine allmähliche Erhöhung der Wassertemperatur,
wie sie notwendig ist, um bei einigen Labyrinthfischen die Laichbereitschaft
auszulösen, ist mit elektronischen Reglern relativ einfach zu erzielen. Anstelle
von in das Becken gehängten Stabheizungen gibt es auch verschiedene Arten von
Bodenheizungen. In großen Aquarien findet man oft eine direkte Erwärmung über
Heizspiralen, die über die Zentralheizung gesteuert werden.
Auch die Meerwasseraquaristik, die lange Zeit nur von erfahrenen Aquarianern
betrieben wurde, ist heute einfacher zu realisieren. Sie gilt jedoch immer noch
als anspruchsvoller und auch kostenintensiver als die Süßwasseraquaristik. In
der Praxis haben sich nationale Vorlieben herausgebildet. In Deutschland und
wohl auch in vielen anderen Ländern werden Riffaquarien vor allem nach dem
Berliner System betrieben; viele französische Meerwasseraquarianern nutzen das
Jaubert-System und aus Nordamerika kommt neuerdings die Deep Sand Methode, die
ein enormes Wachstum von Steinkorallen bei geringem Technikeinsatz möglich
macht. Zeovith-Methode, Miracle Mud oder Algenrefugium sind weitere
Pflegemöglichkeiten in der Meerwasseraquaristik. Es lässt sich allerdings keines
von ihnen als das „beste“ System bezeichnen. Klassische Filter wie in der
Süßwasseraquaristik haben sich nicht durchgesetzt.
In der Süßwasseraquaristik ist Takashi Amano wahrscheinlich der derzeit
einflussreichste Aquarianer. Er hat das sogenannte Naturaquarium populär
gemacht, bei dem Landschaftsbilder der Natur nachgebildet werden und das von der
japanischen Gartenkunst maßgeblich beeinflusst ist. Es handelt sich dabei
keineswegs um Biotop-Aquarien, bei denen ein Lebensraum exakt nachgebildet wird.
Ziel ist es vielmehr, ästhetische Landschaften als Kontemplationsobjekte mit den
Mitteln der Aquaristik zu gestalten. Vorbilder aus Natur und Phantasie werden
dabei ins Aquarium übertragen. Dabei kombiniert Amano Pflanzen, die aus
unterschiedlichen Kontinenten stammen, und vergesellschaftet Lebewesen, deren
Lebensräume sich in der freien Natur nicht überschneiden.
Zunehmend findet sich heutzutage eine Vielfalt von sog. „Designaquarien“. Diese
Becken haben Säulen- oder Pyramidenform, oder es werden Wandaquarien in Form
eines Bildes oder einer Halbkugel mit zu geringem Volumen angeboten, die zur
Haltung von Fischen nicht geeignet sind (siehe Goldfischglas). Designer erfinden
Beckeneinrichtungen, wie z. B. aus Chromelementen oder Plastikschläuchen, die
ebenso unter den Aspekt der Tierquälerei fallen.
Die neueste Entwicklung der Aquarienform ist das Bonsai-Aquarium. Hier wird
ähnlich einem Paludarium Wert auf einen Landteil gelegt, der mit Wurzeln,
Wasserfällen, Moos und kleinen Solitärpflanzen gestaltet ist. Das Becken dieses
Aquarientyps hat eine halbierte Front- und abgeschrägte Seitenscheiben.
Klassifikation von Aquarien
Süßwasseraquarien können nach einer Reihe sehr unterschiedlicher Kriterien
klassifiziert werden. Ein wichtiges Gliederungsmerkmal ist heutzutage die
Klassifizierung des Wassers anhand der darin gelösten Inhaltsstoffe. Sie sind
entscheidend dafür, welchen Lebewesen im Aquarium geeignete Bedingungen geboten
werden können. Früher wurde mehr Wert auf die Unterscheidung Kalt- oder
Warmwasseraquarium gelegt.
Klassifikation nach
Wasserbedingungen
Amazonasbecken mit Diskusfischen (Symphysodon discus) und Roten Neonfischen (Paracheirodon
axelrodi)
Aquarien werden zuerst vor allem nach dem Salzgehalt des Wassers unterschieden.
Meereswasseraquarien haben den höchsten Anteil an gelöstem Salz im Wasser. In
ihnen werden Lebensbedingungen simuliert, wie sie in Ozeanen vorkommen. Der
Salzgehalt liegt bei 3,4 Prozent (34 g/L). Bei Süßwasseraquarien beträgt der
Anteil des Salzes im Wasser weniger als 0,6 Prozent. Nachgeahmt werden die
Lebensbedingungen in einem See oder Fluss. Dieser Typus von Aquarium ist der in
der Aquaristik am meisten verbreitete. Brackwasseraquarien sind dagegen ein
verhältnismäßig wenig verbreiteter Aquarientyp. Sie bilden die Lebensbedingungen
der Mündungsgebiete großer Flüsse oder Mangrovenküsten nach. Der Salzgehalt
liegt zwischen den Werten für ein Salz- und Süßwasseraquarium.
Viele tropische Gewässer, aus denen im Aquarium gepflegte Lebewesen stammen,
haben salzarmes und sehr weiches Wasser. Bezeichnungen wie Amazonasbecken oder
Schwarzwasseraquarium weisen auf Süßwasseraquarien hin, die diese
Lebensbedingungen simulieren; während in einem Schwarzwasserbecken jedoch Arten
unterschiedlichster Herkunft gepflegt werden, die diese Haltungsbedingungen
fordern, werden in einem Amazonasbecken gezielt nur solche Pflanzen, Fische und
Wirbellose gehalten, die ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet im Amazonas
haben. Sogenannte Malawibecken oder Ostafrikaaquarien beherbergen meist Fische
der ostafrikanischen Grabenseen mit höherem Salzgehalt. Aquarien für heimische
Kaltwasserfische weisen ebenfalls oft härteres Wasser als diejenigen für
tropische Fische auf; der Begriff „Hartwasserbecken“ ist jedoch unüblich.
Einen spezifischen Typ des Aquariums stellt das sogenannte Altwasseraquarium
dar. Hier wird auf den regelmäßigen Teilwasserwechsel verzichtet und lediglich
das verdunstete Wasser mit Regen- oder destilliertem Wasser aufgefüllt.
Notwendig dafür ist ein nur sehr geringer Fischbesatz, damit Filter und Pflanzen
die Möglichkeit haben, die anfallenden Stoffwechselprodukte umzuwandeln; diese
Form ist in der Aquaristik jedoch umstritten.
Klassifikation nach Temperatur
Goldfisch – eine der Arten, die im Kaltwasseraquarium gepflegt werden kann
Bei den meisten Aquarien handelt es sich um tropische Süßwasseraquarien, bei
denen eine Wassertemperatur zwischen 22 und 28 °C konstant gehalten wird.
Temperaturen über 28 °C sind meist nur in Aquarien mit extrem wärmeliebenden
Fischen wie etwa Diskusfischen oder Harnischwelsen vorzufinden.
Temperaturschwankungen beschränken sich (wenn überhaupt) auf einen
Tag-Nacht-Rhythmus oder einen geringfügigen Anstieg oder Abfall der Temperatur
zur Laichzeit. Es gibt keine genaue Grenze, ab welcher Wassertemperatur ein
Aquarium zu den Kaltwasseraquarien zählt. Allgemein werden so oft Aquarien
bezeichnet, die nicht über eine Heizung verfügen und Zimmertemperatur aufweisen.
Je nach Standort des Aquariums kann es sogar notwendig sein, mit einem
Kühlaggregat oder Raumkühlung dafür zu sorgen, dass an heißen Sommertagen die
Wassertemperatur nicht über ein für die gepflegten Lebewesen erträgliches Maß
hinaus steigt. Größere Schwankungen der Temperatur im Jahreslauf sind
charakteristisch für klassische Kaltwasseraquarien. In ihnen werden häufig
Fischarten gehalten, die auch in den Gewässern Mitteleuropas heimisch sind. Dies
sind beispielsweise Orfen, Moderlieschen, Steinbeißer, Mühlkoppe und der
Dreistachliger Stichling. Auch der Goldfisch und der aus Nordamerika stammende
Scheibenbarsch zählen zu den Fischen, die sich bei nicht zu hohen Temperaturen
wohl fühlen. In den letzten Jahren haben vermehrt Fische aus den Subtropen und
topographisch hochgelegenen Regionen der Tropen Einzug in die
Kaltwasseraquaristik gefunden, z. B. verschiedene Grundeln und
Hochlandkärpflinge.
Klassifikation nach Besatz
Die in Mitteleuropa heimische Groppe benötigt ein Strömungsbecken
Die meisten Aquarianer beginnen mit einem sogenannten Gesellschaftsaquarium, in
dem mehrere Fisch- und wirbellose Arten gepflegt werden, die die selben
Bedingungen an die Wasserwerte stellen. Bei einigen Fischarten spielen nicht nur
die Wasserwerte eine Rolle. So benötigen die als Mbuna bezeichneten endemischen
Buntbarscharten des Malawisees Felsenaufbauten, die ihnen Höhlen und
Rückzugsmöglichkeiten bieten. Die meisten Pflanzen dagegen werden von diesen
Fischen gefressen. Die Felsenbecken, in denen diese Fischarten gepflegt werden,
benötigen in der Regel eine besonders gute Filterung, da hier die
Stickstoffumwandlung nicht durch Aquarienpflanzen unterstützt wird. Ähnlich wie
im Felsenbecken ist auch das Strömungsbecken ein Aquarientyp, in dem spezifische
Umweltbedingungen vorherrschen. Hier werden Fische vergesellschaftet, die für
ihr Wohlbefinden eine hohe Fließgeschwindigkeit des Wassers benötigen. Erzielt
wird dies, indem eine starke Kreiselpumpe ihre Ausströmungsöffnung auf der einen
Seite des Beckens hat, ihre Einsaugeöffnung aber auf die andere Seite des
Beckens verlegt ist. Strömungsbecken, in denen Bachläufe simuliert werden und in
denen unter anderem Bachforellen gezeigt werden, sind regelmäßig in großen
öffentlichen Schauaquarien zu sehen.
Artaquarien sind vor allem bei erfahreneren Aquarianern verbreitet, die gezielt
eine Art pflegen und gegebenenfalls züchten möchten, die besondere
Halteanforderungen stellt. Ein Beispiel für eine solche Fischart ist die
Australische Wüstengrundel, die sich am wohlsten fühlt, wenn während der Nacht
die Wassertemperatur im Aquarium stark abfällt. Nur wenige andere Fischarten
kämen über längere Zeit mit diesen starken Temperaturschwankungen zurecht.
Andere Arten eignen sich wegen ihrer Aggressivität gegenüber anderen Fischen
nicht für eine Haltung im Gesellschaftsbecken. So neigen die im Süßwasser-
beziehungsweise im Brackwasseraquarium haltbaren Vertreter der Kugelfische wie
Assel-, Zwerg- und Palembang-Kugelfisch dazu, die Flossen anderer Fische zu
zupfen. Zumindest die ersten zwei Arten lassen sich unter Umständen gemeinsam
mit sehr wendigen Fischarten halten, empfehlenswerter ist jedoch für sie ein
Artaquarium.
Biotop-Aquarien sind Aquarien, in denen ein in der freien Natur vorkommender
Lebensraum möglichst exakt nachgebildet wird. In solchen Aquarien werden nur
Fische aus derselben Region vergesellschaftet. Klassischer Weise nachgebildete
Biotope sind ein Bachlauf im Amazonasbecken, ein Sauerwasserteich im
Amazonasbecken, ein mittelamerikanischer Küstenbach, ein westafrikanischer
Flusslauf, ein Tanganjikasee Biotop, eine Felsküste im Malawisee, ein
südostasiatischer Bachlauf, ein südostasiatischer Bewässerungskanal, eine
südostasiatische Flussmündung (Brackwasser), sowie ein Flusslauf in
Australien/Neuguinea.
Im Naturaquarium und im Holländisches Pflanzenaquarium haben Aquarienpflanzen
gegenüber den Fischarten eine mindestens ebenbürtige Rolle inne. Gelegentlich
wird in Holländischen Pflanzenaquarien völlig auf die Kultur von Fischen
verzichtet. Für beide Aquarientypen ist eine Düngung mit Kohlenstoffdioxid die
Regel, um ein optimales Pflanzenwachstum sicherzustellen.
Aquariengröße
Die kleinsten im Handel erhältlichen
Aquarien haben einen Wasserinhalt von 4,5 Liter. Diese Aquarien werden auch als
Nano-Aquarium bezeichnet und sind nicht für die Haltung von Fischen gedacht. In
ihnen werden Wasserpflanzen gepflegt und – falls es sich dabei um Meerwasser
handelt – auch Weichkorallen, Krustenanemonen, winzige Krebstiere oder
Stachelhäuter. Bei diesen Aquarien ist eine sehr genaue Kontrolle der
Wasserwerte und eine sehr sorgfältige Konzeption wichtig. Sie gelten daher als
nur für erfahrene Aquarianer empfehlenswert.
Noch kleiner sind die sogenannten Ecospheres, die jedoch nach Ansicht vieler
Aquarianer nicht unter den Begriff Aquarium fallen. Bei ihnen handelt es sich um
einen geschlossenen Glaskörper, in dem eine tote Koralle, Grünalge und die
Garnelenart Halocaridina rubra vergesellschaftet sind. Diese Garnele ist so
genügsam, dass sie in diesen Kugeln ohne zusätzliche Fütterung bis zu zwei Jahre
überlebt (normale Lebenserwartung 10-20 Jahre). Ein Eingreifen oder eine
Fütterung durch den Aquarianer ist nicht möglich. Aus diesem Grund lehnen viele
Aquarianer diese Form der Aquaristik ab.
Die am meisten verkauften Aquarien mit den Maßen 60x30x30 cm fassen dagegen 54
Liter Wasser. Diese Aquarien gelten gleichfalls als kleine Aquarien, wenn auch
darin eine Reihe von Fischarten gepflegt werden können. In Aquarien dieser
geringen Größe wirken sich Pflegefehler (wie insbesondere zu hoher Besatz, aber
auch ausbleibender Teilwasserwechsel oder falsche Fütterung) sehr viel schneller
und drastischer aus als in größeren Aquarien. Eine durch Pflegefehler
verursachte schnelle Änderung des pH-Werts kann zum Tod der darin gepflegten
Lebewesen führen. Aquarien, die mehr als 100 Liter fassen, gelten daher als
weniger anspruchsvoll in der Pflege und sind geeigneter für die in der
Aquaristik gängigen Fischarten. Daher sind sie für weniger erfahrene Aquarianer
eine sinnvolle Größe. Vorgefertigte Aquarien werden vom Fachhandel bis zu etwa
700 Litern Volumen angeboten. Maßgefertigte Aquarien können auch bei
Privathaltern diese Größe deutlich übersteigen. Dabei muss jedoch das erhebliche
Gewicht eines solchen Aquariums und seine Auswirkung auf die Statik eines Hauses
berücksichtigt werden.
Die größten Aquarien finden sich in öffentlichen Schauaquarien. Mehrere
Schauaquarien, wie beispielsweise das Shedd Aquarium, das Monterey Bay Aquarium
und das Okinawa Churaumi Aquarium haben Aquarien, die 7,5 Mio. Liter Wasser
fassen.
Das größte mobile Aquarium Europas fasst etwa 60.000 Liter Wasser und wird im
Rahmen von Kongressen oder Ausstellungen gezeigt, kann aber auch von privaten
Veranstaltern gemietet werden. Mobile Aquarien sind nicht nur wegen der
wechselnden Wasserqualität an den einzelnen Einsatzorten schwierig zu versorgen,
sondern auch, weil jeweils ein absolut planer und tragfähiger Untergrund
vorhanden sein muss, damit die zentimeterdicken Scheiben nicht reißen.
Bestandteile eines Aquariums
Ein einfacher Glaskasten reicht als Behausung für aquatische Lebewesen in den
seltensten Fällen aus. Um die Umwelt am Herkunftsort der Organismen zumindest so
gut nachzubilden, dass sie gut gedeihen und sich eventuell sogar fortpflanzen,
wird in der Aquaristik heute in großem Umfang Aquarientechnik eingesetzt.
Filter, Beleuchtung und Heizung
Filter
Für die Aufrechterhaltung geeigneter
Lebensbedingungen sind ein Filter, bei der Haltung der meisten Fischarten auch
eine Heizung und eine Beleuchtung nötig.
Filter haben im Aquarium die Funktion, Schwebeteilchen, Futter- und
Pflanzenreste sowie gelöste Verbindungen aus dem Wasser zu entfernen oder in
ungiftige Stoffe umzubauen. Der Aquariumfilter in Süßwasseraquarien kann dabei
als Innenfilter oder Außenfilter ausgeführt sein. Innenfilter sind die am
häufigsten verwendete Filterform, ihr Einsatz ist jedoch auf kleinere Aquarien
beschränkt. Eine der einfachsten Filterformen ist dabei der Hamburger
Mattenfilter. Außenfilter werden heute meist als sogenannte Topffilter
betrieben; daneben existieren auch Sandfilter oder Rieselfilter, die aber viel
Raum beanspruchen. Eine spezielle Art eines Innenfilters ist der Bodenfilter.
Dabei wird der Kies vom Bodengrund als Filter verwendet. Solche Filtersysteme
sind in Deutschland unüblich und vor allem in Großbritannien und Nordamerika
anzutreffen.
Die meisten Filter arbeiten als biologische Filter: der Abbau von Schadstoffen
erfolgt durch Mikroorganismen. Diese sind in einem neuen Filter allerdings noch
nicht enthalten. Neu eingerichtete Aquarien werden daher über mehrere Wochen
ohne Fischbesatz betrieben, damit sich diese Mikroorganismen etablieren können.
Dieser Prozess kann durch den Einsatz sog. Filterstarter beschleunigt werden.
Aktivkohlefilter hingegen entziehen dem Wasser auf physikalische Weise
(Adsorption) Schadstoffe; ihre Aufnahmekapazität ist begrenzt, weswegen die
Aktivkohle regelmäßig erneuert werden muss.
In einem Meerwasseraquarium wird die
Filterung über einen Eiweißabschäumer erzielt. Dies ist möglich, weil Meerwasser
eine andere Oberflächenspannung hat als Süßwasser. Organisch gelöste
Verbindungen, hauptsächlich Stickstoffverbindungen (Eiweiße), aber auch Fette
und Öle, sammeln sich an der Grenzfläche zwischen Luft und Wasser an. Durch die
Erzeugung von feinen Blasen entsteht ein mehr oder weniger feiner Schaum, der
zusammen mit den Verschmutzungen aus dem Aquarium entfernt werden kann. Dieser
Vorgang lässt sich auch an der Küste beobachten, wenn die Meeresbrandung Schaum
produziert, der sich in Form von Flocken am Strand sammelt.
Heizung
Bei der Heizung ist heute eine Stabheizung mit Thermostatregelung am
gebräuchlichsten. Eine Bodenheizung, bei der entweder eine Heizmatte auf die
Bodenscheibe gelegt oder ein Heizkabel im Bodengrund untergebracht wird, ist bei
der Aufstellung in beheizten Räumen nicht nötig. Ein Vorteil der Bodenheizung
ist allerdings die sehr gute Zirkulation des Wassers durch den Bodengrund und
die dadurch verminderte Gefahr des "Schwarzwerdens" desselben. Ein Nachteil ist,
neben dem höheren Anschaffungspreis, dass (anders als bei der Stabheizung) ein
einfacher Austausch bei einem Defekt nicht möglich ist. Früher wurden Heizmatten
auch häufig unterhalb des Aquariums zwischen Bodenscheibe und Schrankplatte
verlegt. Diese Art der Bodenheizung hat den Vorteil, dass keinerlei
stromführende Teile innerhalb des Aquariums liegen und den Nachteil, dass ein
starker Wärmeverlust auftritt, da die Wärme der Heizmatte erst durch die
isolierende Bodenscheibe gelangen muss. Die Gefahr eines elektrischen Schlages
wird jedoch auch bei den internen Heizmatten bzw. -kabel gebannt, indem die
gängigen Heizkabelsysteme mit ungefährlicher Niederspannung arbeiten.
Einige Außenfilter haben auch eine integrierte Heizung, so dass erwärmtes Wasser
in das Becken fließt; eine bessere Temperierung bis in die letzten Winkel des
Aquariums ist die Folge. Auch hier gilt als Nachteil, dass bei einem solchen
Kombigerät das gesamte Gerät ausgetauscht werden muss, wenn entweder die Heizung
oder der Filter defekt ist. Bei einem Ausfall des Filters mit integrierter
Heizung überleben die Aquarienfische normalerweise die sich verschlechternde
Wasserqualität mehrere Tage, aber nicht unbedingt den Temperatursturz.
Zur Haltung von Tieren aus sehr kühlen Gewässern gibt es kompakte Kühlgeräte,
die in den Außenfilter-Kreislauf eingebunden werden oder eine eigene Pumpe
besitzen.
Beleuchtung
Bei der Beleuchtung werden häufig Leuchtstoffröhren eingesetzt. Die Verbreitung
von Quecksilberdampflampen, auch „HQL-Lampen“ genannt, nimmt heute ab, da
Halogenmetalldampflampen, auch „HQI-Brenner“ genannt, bei gleicher Leistung eine
höhere Lichtausbeute bieten. Für Becken über 50 cm Höhe sind HQI-Brenner
erforderlich, da die Lichtstärke mit zunehmender Tiefe schnell abnimmt. Einen
besonderen Reiz versprühen diese beiden letzteren Leuchtmittel durch ihren
punktförmigen Lichtaustritt (anders, als bei der langgestreckten
Leuchtstoffröhre). Dies führt insbesondere bei einer stärkeren
Oberflächenbewegung des Wassers zu sog. Sonnenkringel-Effekten, wie man sie vom
Tauchen kennt.
Speziell auf die Aquaristik abgestimmte Leuchtstoffröhren ermöglichen die
Simulation verschiedener Lichtverhältnisse (z.B. natürliches Tageslicht,
Tropensonne, Beleuchtung mit erhöhtem Blauanteil zur Simulation einer
Meereswassertiefe). Durch die Auswahl der Beleuchtungs-Spektralfarben wird
sowohl das Wachstum von Wasserpflanzen (erwünscht) und Algen (meist unerwünscht)
beeinflusst. Röhren mit erhöhtem Rot- und Blauanteil werden gezielt zur
Verstärkung der Sichtbarkeit der roten, orangen und blauen Farbtöne von Fischen
und Korallen eingesetzt, fördern aber auch das Algenwachstum. Am häufigsten
werden Beleuchtungen mit Vollspektrum eingesetzt, die dem Sonnenlicht ähnliche
Farbverhältnisse schaffen. Der Einsatz von elektronischen
Beleuchtungssteuerungen ermöglicht die zeitgesteuerte Einstellung verschiedener
Lichtstimmungen (Farbe, Helligkeit) und Simulation von Sonnenauf- und
-untergängen. Im Regelfall ist aber die Steuerung der Beleuchtung über eine
einfache Zeitschaltuhr ausreichend. Wenn tropische Fische gehalten werden,
sollte die Beleuchtungsdauer sich am Tropentag (ganzjährig 12 h) orientieren.
Die Aquarienbeleuchtung wird häufig in die Aquarienabdeckung integriert. Sie
muss den dort herrschenden Feuchtraumbedingungen widerstehen und eine Gefährdung
durch elektrischen Stromschlag bei Arbeiten am Aquarium ausschließen!
Aus ästhetischen Gesichtspunkten, aber auch zur Beobachtung des Verhaltens
nachtaktiver Tiere setzen sich zunehmend Moonlight-Beleuchtungen durch, die nach
Abschaltung der Hauptbeleuchtung ein schwaches bläuliches Mondlicht simulieren.
Diese Effektbeleuchtungen werden mit LEDs oder Kaltkathodenröhren geringer
Leistung realisiert. Die Wirkung auf das nächtliche Verhalten der Fische ist
umstritten. Einerseits ist eine absolute Finsternis unnatürlich und kann Stress
bei den Tieren auslösen, andererseits kann zu helles "Mondlicht" verhindern,
dass die Tiere zur Ruhe kommen. Vereinzelt wird von verbessertem Laichverhalten
unter Moonlight-Beleuchtung berichtet.
Weitere Ausrüstungsgegenstände
Ein Thermometer ist notwendig, um die Wassertemperatur gelegentlich zu
überprüfen. Ein einfaches, schwimmfähiges Flüssigkeitsthermometer ist dabei
ausreichend, auch wenn mittlerweile digitale Aquarienthermometer angeboten
werden. Erhältlich sind auch Thermofolien, die von außen an einer Stelle des
Aquarienglases aufgeklebt werden. Diese Thermometer, die die Temperatur durch
eine unterschiedliche Färbung der Schrift anzeigen, werden gelegentlich als
nicht hinreichend genau kritisiert.
Mit einem Kescher oder einer Fischfangglocke werden Fische oder auch frei
schwimmende Pflanzenbestandteile aus dem Wasser herausgefischt. Eine
Fischfangglocke ist dabei besonders geeignet, wenn die Fische sehr empfindlich
sind oder man Jungfischschwärme fangen möchte. Schlauch und Eimer sind nötig, um
den Wasserwechsel vornehmen zu können. Ein Mulmsauger ist behilflich, um Mulm
aus dem Aquarium zu entfernen. Sinnvoll bei längerer Abwesenheit ist ein
Futterautomat, der über einen längeren Zeitraum regelmäßig Futter in das
Aquarien abgibt. Mit ihm wird die Versorgung der Fische während eines Urlaubs
sichergestellt. Aquarianer, die besonders Wert auf die Pflege ihrer
Aquarienpflanzen legen, verwenden außerdem eine langstielige Pflanz-Pinzette und
-Schere.
Für die Bestimmung der Wasserwerte werden zum Teil elektronische Geräte
angeboten. Es gibt aber auch einfach anzuwendende Tauch- und Tropftests. Bei
Tauchtests werden Teststicks kurz ins Aquarienwasser getaucht. Anhand einer
Farbskala kann dann der zu bestimmende Wert gemessen werden. Im Handel
erhältlich sind dabei Tauchtests, die gleichzeitig Nitrit, Nitrat, die
Gesamthärte, die Karbonathärte und den pH-Wert bestimmen. Wegen ihrer oft sehr
hohen Ungenauigkeit werden sie von fortgeschrittenen Aquarianern oft heftig
kritisiert. Das im Wasser gelöste Kohlenstoffdioxid lässt sich am einfachsten
mit einem CO2-Dauertest messen. Auch die Tropftests messen die im Wasser
enthaltenen Stoffe mit einer Farbskala. Dabei werden eine bestimmte Anzahl einer
Testlösung auf meist fünf Milliliter Aquariumwasser gegeben. Auch sie bestimmen
die Wasserwerte nicht so exakt wie eine Laboruntersuchung. Für die meisten
Aquarianer sind die Tropftests jedoch hinreichend genau.
Leitungswasser und Aquarienwasser
Hobbyaquarianer entscheiden sich meist für einen Besatz mit Lebewesen, die mit
den Wasserbedingungen zurechtkommen, die das jeweilige Leitungswasser bietet.
Sofern die Wasserwerte des Aquariums auch beim Leitungswasser vorliegen, kann
dann ein Aquarium nach einem Teilwasserwechsel direkt mit entsprechend
temperiertem Leitungswasser aufgefüllt werden. Viele Aquarianer behandeln das
Wasser jedoch mit einem Wasseraufbereiter, um die darin befindlichen
Schwermetalle zu binden und eventuell vorhandenes Chlor zu neutralisieren. Nur
bei sehr stark mit Schwermetallen oder Herbiziden belastetem Wasser ist eine
Filterung mit einem Carbonit-Filter notwendig.
Generell lässt sich Leitungswasser so verändern, dass jeder gewünschte
Wasserwert erreicht werden kann. So kann sehr hartes Leitungswasser durch eine
Umkehrosmose oder durch einen Mischbettfilter auf den gewünschten niedrigeren
Härtegrad gebracht werden. Brackwasser- oder Salzwasserbedingungen werden durch
die Hinzufügung von speziellen Salzmischungen erzielt.
Bodengrund
Die meisten Aquarien haben einen Bodengrund, welcher in der Regel aus Kies oder
Sand besteht.
Kies wird am häufigsten als Bodengrund verwendet. Ihn gibt es in
unterschiedlichen Korngrößen. Empfehlenswert sind rund geschliffene Steine,
damit Fische mit empfindlichen Barteln sich daran nicht verletzen können. Die
Kiesgröße ist abhängig von den zu pflegenden Lebewesen. Generell besteht die
Gefahr, dass bei zu großer Kiesgröße Futterreste in die Steinlücken fallen, dort
für die Fische nicht erreichbar sind und in den Lücken verfaulen, was die
Wasserwerte negativ beeinflusst. Kleine Kiesgrößen mit einem Durchmesser von
etwa einem Millimeter sind beispielsweise bei Süßwassergarnelen notwendig. Die
Tiere sind dann in der Lage, die einzelnen Steine mit ihrem Beinen umzudrehen
und nach Algenaufwuchs abzusuchen. Aquarianer, die Wert auf gutes
Pflanzenwachstum legen, bringen unterhalb der Kiesschicht meist noch eine
spezielle Aquarienpflanzerde ein, um die Pflanzen ausreichend mit Nährstoffen zu
versorgen. Andere Aquarianer verzichten darauf, da bodenwühlende Schnecken diese
Pflanzerde nach oben wühlen können. Statt dessen bringen sie Düngekugeln direkt
unterhalb der Pflanzen in den Kies ein. Die Färbung des Kieses ist zu einem
großen Teil eine ästhetische Entscheidung. Fische, die in Aquarien mit sehr
hellem Kies als Bodengrund gehalten werden, wirken jedoch blasser. Bei
Fischarten, die aus schattigen Lebensräumen stammen, kann ein zu heller
Bodengrund ein scheueres Verhalten auslösen.
Sand ist bei einigen wenigen Fischarten als Bodengrund notwendig, um ihrer
wühlenden Versteckweise entgegenzukommen. Geeignet für Aquarien ist allerdings
nur Sand, der keine Einflüsse auf die Wasserqualität hat: Kalkhaltiger Sand
härtet zum Beispiel das Wasser auf. Reiner Quarzsand ist am geeignetsten.
Sinnvollerweise sollte er keinen zu hohen Feinstanteil aufweisen, um
Wassertrübungen und Verbacken zu verhindern. Eine einkörnige Sieblinie ist
hilfreich. Damit sich bodenlebende und gründelnde Fische nicht verletzen,
sollten die Sandkörner abgerundet und nicht scharfkantig sein.
Dekorationsmaterial im Aquarium
Aquarien werden häufig mit Steinen,
leeren Muschelschalen und Moorkienwurzeln dekoriert. Die Verwendung dieses
Dekorationsmaterials dient nicht nur der ästhetischen Befriedigung des
Aquarienbesitzers, sondern ist für die im Aquarien gepflegten Lebewesen häufig
auch notwendig. So sind beispielsweise viele Cichliden Höhlenbrüter und legen
ihren Laich nur an der Oberdecke einer Steinhöhle ab. Welse raspeln das Holz der
Moorkienwurzeln ab und Garnelen der Gattung Caridina suchen bevorzugt darauf
nach kleinem Algenaufwuchs. Einige Fischarten wie der Tanganjika-Schneckenbarsch
sind darauf angewiesen, dass ihr Aquarium ihnen leere Schnecken- oder
Muschelschalen als Rückzugsmöglichkeit anbietet. Und letztlich bilden, ähnlich
wie Wasserpflanzen, solche Dekorationsgegenstände die Markierung von
Reviergrenzen für territoriale Arten.
Bei der Auswahl des Dekorationsmaterials ist unbedingt darauf zu achten, dass es
auch bei langer Wässerung keine giftigen Stoffe an das Aquarienwasser abgibt
oder die Wasserwerte für die gepflegten Arten ungünstig verändert. Ungeeignete
Steine können z.B. Mineralsalze, Eisen oder Kalk abgeben, Plastikartikel
enthalten möglicherweise lösliche Weichmacher oder Farben und Hölzer können
auslaugen. Deshalb sollten nur Materialien verwendet werden, deren Wirkung auf
das Wasser man kennt, oder die im Fachhandel explizit als Aquariendeko angeboten
werde
Lebewesen im Aquarium
Aquarienpflanzen
Bei den im Aquarium kultivierten Pflanzen handelt es sich entweder um
Wasserpflanzen, die stets submers wachsen oder um auch emers gedeihende
Sumpfpflanzen. Nach Schätzungen der Aquarienpflanzenexpertin Christel Kasselmann
werden zwischen 100 und 150 Pflanzenarten als Aquarienpflanzen angeboten.
Lediglich 30 Arten davon sind echte Wasserpflanzen.
Auch wenn ein Aquarium wie etwa ein Felsenbecken ohne Aquarienpflanzen betrieben
werden kann, spielen sie in den meisten Aquarien eine wichtige Rolle. Als
„Abfallprodukt“ der Photosynthese produzieren sie während der Beleuchtungsphase
des Aquariums Sauerstoff, der von den anderen im Aquarium gehaltenen Lebewesen
zur Atmung benötigt wird. Sie reduzieren außerdem das im Aquarium unerwünschte
Algenwachstum, indem sie den Algen bei gutem Wuchs Nährstoffe entziehen.
Schadstoffe wie Phosphat, Nitrat und Ammonium werden gleichfalls durch Pflanzen
abgebaut. Darüber hinaus bieten sie den Tieren Verstecke und Reviergrenzen.
Die für Holländische Pflanzenaquarien
typischen Pflanzenstraßen werden mit Pflanzen wie Bachburgel, Kardinalslobelie
und Mooskugeln erzielt. Besitzer von diesen Aquarien bemühen sich häufig um die
Kultur besonders anspruchsvoller Aquarienpflanzen wie Zungenblatt,
Cognacpflanze, Wasserhaar und Tausendblatt. Im Japanischen Naturaquarium spielen
besonders häufig kleinwüchsige und zierliche Arten eine Rolle, die im
Vordergrund gepflanzt werden. Dazu zählen das Teichlebermoos, das Zungenblatt
und die Nadelsimse. Häufig werden in diesen Aquarientypen auch Pflanzen wie
beispielsweise der Javafarn auf Steine oder Wurzeln aufgebunden. In Aquarien mit
Fischen, die zarte Pflanzen fressen, hat sich insbesondere das Zwergspeerblatt
bewährt, dessen harte Blätter von kaum einer Fischart geschädigt werden.
Kohlendioxid (CO2), das die Pflanzen für ihr Wachstum benötigen, ist im Wasser
nur in geringem Maße gelöst. Der Bedarf an Kohlendioxid ist je nach Pflanzenart
unterschiedlich. Es gibt eine Reihe von Aquarienpflanzen, wie beispielsweise die
Dichtblättrige Wasserpest, der Indische Wasserfreund und der Indischer
Wasserstern, deren CO2-Bedarf durch einen regelmäßigen Teilwasserwechsel
sichergestellt werden kann. Alle drei Pflanzenarten werden für ein neu
eingerichtetes Aquarium besonders häufig empfohlen. Da sie gut anwachsen und
schnellwüchsig sind, entziehen sie in der Anfangsphase eines Aquariums, in der
die Gefahr eines übermäßigen Algenwachstums besonders hoch ist, den Algen
effektiv die Nahrungsgrundlage. Wegen ihrer einfachen Kultivierung werden sie
außerdem regelmäßig als preisgünstige Bundware angeboten.
Sehr viele Aquarienpflanzen benötigen für ein gutes Gedeihen einen höheren
Kohlendioxidgehalt im Wasser, als über den Teilwasserwechsel sichergestellt
werden kann. Diese Pflanzen sind auf eine Kohlenstoffdioxid-Düngung angewiesen.
Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Möglichkeit, diese Düngung zu erzielen.
Dies reicht von einer auf der alkoholischen Gärung basierenden Gärungsanlage bis
zum (ggf. computergesteuerten) Druckgasflaschensystem.
Starke Oberflächenbewegung des Wassers und die Verwendung von Sprudelsteinen
treibt in starkem Maße das im Wasser gelöste Kohlenstoffdioxid aus. Im Glauben,
mehr Sauerstoff für die Fische ins Wasser zu bringen, wird also durch
Membranpumpen und plätschernde Filtereinläufe das Gegenteil erreicht: Das im
Wasser gelöste Kohlenstoffdioxid wird verstärkt über die Wasseroberfläche an die
Luft abgegeben und den Wasserpflanzen als Lebensgrundlage entzogen, die darauf
mit vermindertem Wachstum reagieren, weniger Sauerstoff für die Fische erzeugen
und den Algen mehr Nährstoffe überlassen. Kohlenstoffdioxid-reiches
Aquarienwasser ist deshalb entgegen landläufiger Anfängermeinung nicht
sauerstoffärmer, sondern sauerstoffreicher!
Nahezu alle im Handel angebotenen Aquarienpflanzen stammen aus Gärtnereien, die
sich auf die Zucht von Aquarienpflanzen spezialisiert haben. Vor allem aus der
Gattung der Schwertpflanzen werden immer wieder neue Varietäten herangezogen,
die sich vor allem durch interessante rot bis rotbräunlich gesprenkelte
Blattfarben auszeichnen.
Fische
Die ersten in Aquarien gehaltenen
Fischarten stammten meist aus heimischen Küsten- und Binnengewässern. Zu den
wenigen fremdländischen Aquarienfischen, die bereits sehr frühzeitig in der
aquaristischen Literatur genannt wurden, zählt der Goldfisch. Zu den ersten
auffällig gefärbten Tropenfischen, die gezielt und regelmäßig importiert wurden,
zählt der Paradiesfisch. Für ihn ist belegt, dass er 1876 erstmals in
Deutschland gehalten wurde. Diese Art zählte zu den wenigen Fischen, die den
langen Transport aus Asien überstehen konnten. Paradiesfische sind nicht nur auf
die Kiemenatmung angewiesen, sondern sind als Labyrinthfische auch in der Lage,
über ihr sogenanntes Labyrinthorgan atmosphärischen Sauerstoff zu atmen.
Aufgrund der Nachfrage in Europa folgten sehr schnell weitere Fischarten, die
aus Regionen wie Manaus in Brasilien, Bangkok in Thailand oder Jakarta
importiert wurden. Meist handelte es sich wie beim Paradiesfisch um
Labyrinthfische. Aufgrund des langwierigen Transports setzten sich jedoch in der
Aquaristik anfangs nur solche Fischarten durch, die nachgezüchtet werden
konnten. Die Mehrzahl der heute im Handel erhältlichen Fische stammt aus
Nachzuchten. Wildfänge werden jedoch nach wie vor regelmäßig angeboten, da
einige Fischarten nach wie vor in Gefangenschaft nicht nachzüchtbar sind oder
ihr Fang wirtschaftlicher ist als die Zucht. Über Wildfänge werden außerdem bis
heute neue Arten in die Aquaristik eingeführt. Das gilt insbesondere für
Panzerwelse, Buntbarsche und Salmler.
Wie viele andere Hobbys unterliegt auch die Beschäftigung mit der Haltung von
Lebewesen in Aquarien Trends und Moden. In der Süßwasseraquaristik gilt der
Diskus vielen Aquarianern immer noch als der „König der Fische“. Ebenfalls sehr
beliebt ist die Haltung von Skalaren und der sogenannten Mbunas. Viele
Aquarianer halten außerdem Welse, wobei eine starke Nachfrage insbesondere nach
solchen Arten besteht, die wie der Großkopf-Bratpfannenwels oder der Blauer
Antennenwels eine ausgefallene Körperform haben. Bei einigen neu eingeführten
Welsarten wie dem sehr auffallend gefärbtem Zebrawels drückt sich diese
Nachfrage auch in einem im Vergleich zu anderen Fischarten hohen Preis aus.
Nach ihrer Nahrungsweise können Fische in fischfressende Piscivoren,
insektenfressende Insektivoren, pflanzenfressende Herbivoren und Planktonfresser
unterteilt werden. Meist lässt schon die Stellung des Fischmauls darauf
schließen, welche Nahrungsnische die jeweilige Art nutzt. Fische mit
oberständigem Maul sind in der Regel an der Wasseroberfläche fressende Fische.
Ein unterständiges Maul ist meist bei Bodenfischen zu finden, die in Mulm oder
auf steinigem Untergrund nach Nahrung suchen oder Algenaufwuchs abraspeln.
Zur Fütterung der Fische bietet die Tierfutterindustrie heute ein großes
Spektrum an Zierfischfutter an. Trockenfutter, das in Flocken-, Granulat- oder
als Futtertabletten angeboten wird, gibt es in unterschiedlichen
Zusammensetzungen, um den unterschiedlichen Nahrungsanforderungen der einzelnen
Fischarten gerecht zu werden. Nicht alle Fischarten nehmen jedoch Trockenfutter
an. Wasserflöhe, Mückenlarven, Bachflohkrebse und andere aquatische Kleintiere
dienen vor allem der Fütterung von überwiegend räuberisch lebenden Fischarten.
Diese Futtertiere werden lebend, getrocknet, gefriergetrocknet oder tiefgefroren
(„Frostfutter“) angeboten. Arten wie z. B. Schützenfische sind zwingend auf
Lebendfutter angewiesen. Lebendfutter wie Grindalwürmer und Salinenkrebse können
selbst herangezogen werden. Der Handel bietet aber eine Reihe von Futtertieren
an.
Wirbellose und Amphibien
Vor allem in den letzten Jahren hat
in der Süßwasseraquaristik die gezielte Haltung von Wirbellosen zugenommen. In
der Meerwasseraquaristik wird sie schon länger praktiziert.
Turmdeckel- und Posthornschnecken sind schon seit längerer Zeit in Aquarien zu
finden. Insbesondere die grabenden Turmdeckelschnecken belüften den Bodengrund
und verwerten organische Pflanzenstoffe. Obwohl sie damit ein gesundes
Pflanzenwachstum sicherstellen, waren sie in der Aquaristik immer eher „Beitiere“.
Der Handel bietet daneben immer mehr an auffallend gefärbten oder geformten
Schnecken wie die unterschiedlichen Arten der Apfelschnecken oder die
Zebrarennschnecke an. Wegen ihres hohen Stoffwechsels müssen sie bei der maximal
im Aquarium haltbaren Tierzahl mit eingerechnet werden. Die Mindestkantenlänge
für eine Apfelschnecke beträgt 60 cm.
Seit einigen Jahren werden auch vermehrt Süßwasser- und Felsengarnelen im
Süßwasseraquarium gehalten. Ihre Popularität ist vor allem auf den japanischen
Fotografen und Aquarianer Takashi Amano zurückzuführen, der in seinen Aquarien
Yamatonuma-Garnelen zur Algenkontrolle einsetzte. Dies hat zu einer vermehrten
Einführung anderer Garnelenarten geführt.
Im Handel angeboten werden außerdem einige Krebsarten. In der
Süßwasseraquaristik sind es vor allem Flußkrebsarten, die zur Fauna Australiens
oder Nordamerikas gehören. Diese in ihrem Habitus einem Hummer ähnlichen
Krebsarten werden vorwiegend in Farmen für Speisezwecke gezüchtet. In den
Zoofachhandel gelangen vor allem blau gefärbte Exemplare wie der Yabbi, der
Marron und der Red Claw Hummer. Alle drei Arten benötigen sehr große Aquarien,
können nur mit großen Fischen vergesellschaftet werden und vergreifen sich auch
an den Aquarienpflanzen. Beliebt ist deshalb auch der im Vergleich dazu winzige
Orange Zwergflusskrebs. Amphibische Krabben dagegen werden selten im Aquarium
gepflegt; sie benötigen für ihr Wohlbefinden auch immer einen ausreichend großen
Landteil und sind deshalb besser in einem Paludarium aufgehoben.
Seltene Pfleglinge im Aquarium sind Amphibien. Zu den im Aquarium pflegbaren
Arten zählen Krallenfrösche, Zwergkrallenfrösche, der Japanischer
Feuerbauchmolch, der Axolotl sowie die Schwimmwühle.
Im Aquarium unerwünschte Lebewesen
Algen
Algensporen sind nur wenige
Mikrometer groß. Sie werden beim Um- und Einsetzen von Fischen und Pflanzen
sowie beim Wasserwechsel mit eingeschleppt. Vermehren sie sich explosionsartig,
ist dies ein Hinweis darauf, dass die Stickstoffumwandlung im Aquarium nicht
ausreichend gut funktioniert.
Besonders in der Startphase eines Aquariums können sich Blaualgen stark
vermehren, die einen meist blaugrünen, gelegentlich auch schwärzlich-purpurnen
oder bräunlichen Überzug über Pflanzen und Steinen bilden. Blaualgen wachsen
sehr schnell und können Pflanzen, die noch nicht gut angewachsen sind, unter
sich ersticken. Eine mechanische Entfernung ist zwar sinnvoll, allerdings können
selbst aus kleinsten Rückständen wieder große Algenmengen nachwachsen.
Zu den Rotalgen zählen die sogenannten Bart-, Pinsel- und Pelzalgen. Sie sind
von einer schmutzig grünen bis schwärzlichen Farbe. Die namensgebende Rotfärbung
ist dann sichtbar, wenn man die Algenfäden in Alkohol legt. Rotalgen werden
allerdings im Gegensatz zu den Blaualgen von einer Reihe von Fischarten
gefressen. Kieselalgen treten dann auf, wenn ein Aquarium nur unzureichend
beleuchtet ist und der Sauerstoffwert wegen der dann geringen
Assimilationsleistung der Aquarienpflanzen zu niedrig ist. Diese Algen, die
einen schmierig-bräunlichen Belag auf Steinen und Wurzeln bilden, verschwinden,
wenn die Lichtverhältnisse im Aquarium verbessert werden. Grünalgen stellen
dagegen ähnlich hohe Ansprüche an das Wasser wie die Aquarienpflanzen. Sie sind
von grüner bis hellgrüner Farbe und wachsen je nach Art watteartig, fadenförmig
oder büschelartig und lassen sich einfach mit der Hand oder einer Pinzette
entfernen.
Maßnahmen gegen Algen
Einem übermäßigen Wachstum von Algen in der Einlaufphase eines Aquariums
kann vorgebeugt werden, indem man mehrere Wochen wartet, bevor das Aquarium das
erste Mal mit Fischen und Wirbellosen besetzt wird. In dieser Zeit wird das
Aquarium etwa 10 Stunden am Tag beleuchtet, und auch der Filter läuft bereits
ständig. Gleichzeitig wird das Aquarium sehr dicht mit schnellwüchsigen Pflanzen
bepflanzt. Die Pflanzen entziehen den Algen die für ihr explosionsartiges
Wachstum nötigen Nährstoffe, und im Filter können sich in dieser Zeit die
Mikroorganismen ansiedeln, die für den Umbau von Ammonium, Phosphat und Nitrit
notwendig sind. Neue Filter können mit speziellen Bakterienkulturen (Fachhandel)
geimpft werden, um die biologische Aktivität anzuregen. Bei eingefahrenen
Filtern sollten niemals alle Filtermedien gleichzeitig gewechselt/gereinigt
werden, damit die angesiedelten Bakterienkulturen nicht vollständig vernichtet
werden. Wenn man bereits ein Aquarium hat, kann man einen Teil des Frischwassers
im neuen Aquarium durch Aquarienwasser ersetzen und etwas Filterschlamm des
eingefahrenen Filters in den Filter des neuen Beckens geben. Das hilft in der
Einlaufphase, schneller ein neues Gleichgewicht zu bilden. Besonders Anfänger
verwechseln gutgemeinte Sterilität mit der biologischen Sauberkeit, die weniger
durch mechanische Filterung und "frisches" Wasser, als durch aktive
Mikroorganismen im Bodengrund und den grobporigen Filtermedien erzeugt wird.
Die Mehrzahl der Aquarienpflanzen sind Sumpfpflanzen, die in Wassergärtnereien
emers herangezogen werden. Sie brauchen daher einige Tage, um sich auf das
Aquarienmilieu umzustellen. Zu den empfohlenen Pflanzen, die auch bei vorheriger
emerser Kultur sehr schnell anwachsen, zählen Indischer Wasserfreund und
Wasserstern. Dichtblättrige Wasserpest ist ebenfalls sehr gut geeignet; sie wird
submers kultiviert, benötigt aber eine starke Beleuchtung. Sie kann sowohl
flutend als auch verwurzelt wachsen; fast immer flutend sind die einheimischen
Hornblätter, die auch zu einer Nährstoffreduktion im Aquarium beitragen.
Gleiches gilt für Schwimmpflanzen wie die Muschelblumen sowie Wasserlinsen.
Eine Reihe von Fischarten frisst Algen. Als hervorragender Algenvertilger gelten
die Siamesische Rüsselbarbe und die Schönflossige Rüsselbarbe. Auch
Ohrgitterwelse und Antennen-Harnischwelse werden unter anderem wegen dieser
Eigenschaft im Aquarium gepflegt. Die auch von Anfängern häufig gehaltenen
Guppys sowie Spitzmaulkärpflinge, zu dem die Zuchtform Black Molly gehört, sind
Fische, die bedingt Algenaufwuchs fressen. Eine bestehende Algenplage lässt sich
durch Algen fressende Fische kaum bekämpfen, da diese Tiere vorwiegend junge,
zarte Algen abweiden. Schnecken sind trotz ihres Rufes als Algenvernichter wenig
geeignet, da sie sich selbst durch starke Vermehrung zur Plage entwickeln können
und durch ihre Stoffwechselprodukte selbst zur düngung beitragen. Darüber hinaus
sind es Süßwassergarnelen, die wirkungsvoll gegen den Algenaufwuchs vorgehen.
Mittlerweile bietet der Handel auch chemische Mittel gegen Algenwuchs an. Diese
Mittel können allerdings auch die Pflanzen schädigen.
Gegen Schwebealgen können UV-Lampen in den Wasserkreislauf des Außenfilters
installiert werden
Schnecken und Planarien
Obwohl Schnecken eine wichtige
Funktion im Aquarium innehaben, können sich einige Arten sehr schnell vermehren
und im Aquarium überhand nehmen. Zur Plage werden sie oft dann, wenn Fische zu
reichlich gefüttert werden, so dass die Schnecken ein sehr großes
Nahrungsangebot finden. Sie können über spezielle Schneckenfallen entfernt
werden. Auch einige Fischarten fressen junge Schnecken, wobei man jedoch
anmerken muss, dass die oft empfohlenen schneckenfressenden Fische besondere
Anforderungen stellen, die in vielen Aquarien nicht zu verwirklichen sind. (So
können z. B. Prachtschmerlen durchaus bis zu 30 cm lang werden, bedürfen
mehrerer Artgenossen und benötigen ein Aquarium mit einer Mindestkantenlänge von
150 cm.)
Planarien treten gleichfalls gelegentlich in Aquarien auf. Es handelt sich um
bis zu mehrere Millimeter große Würmchen, die auf Scheiben und
Einrichtungsgegenständen herumkriechen. Während sie erwachsenen Fischen nicht
gefährlich werden, können sie jedoch den Fischlaich fressen. Planarien vermehren
sich vor allem dann stark, wenn im Aquarium Futterreste und organische
Abfallstoffe reichlich vorhanden sind. Chemische Mittel, die Planarien
behandeln, lassen auch Schnecken und gegebenenfalls Pflanzen eingehen. Hilfreich
kann es sein, wenn das Aquarium für mehrere Tage eine Wassertemperatur von
mindestens 35 Grad Celsius aufweist. In dieser Zeit müssen die Fische und
„erwünschte“ Wirbellose in einem Ersatzaquarium gepflegt werden.
Chemie im Aquarium
PH Wert
Der pH-Wert gilt in der Aquaristik
als der wichtigste „Wasserwert“, der ein Maß für den Säuregehalt des Wassers
darstellt. Lebewesen haben einen unterschiedlich großen Toleranzbereich für den
pH-Wert und können außerhalb von diesem nicht überleben. Die Überprüfung, ob
eine Tierart in einem Aquarium geeignete Überlebensbedingungen findet,
orientiert sich in aller Regel zuerst am pH-Wert. Der Toleranzbereich von
Pflanzen ist meist etwas größer als der von Tieren.
Der pH-Wert wird auf einer logarithmischen Skala mit Werten zwischen 1 und 14
gemessen. Wasserwerte im Aquarium liegen zwischen 4,5 und 9,5, wobei beides
Extremwerte darstellen. Ein pH-Wert von sieben gilt als „neutral“, d. h. weder
als alkalisch noch als sauer. Logarithmisch bedeutet dabei, dass Wasser mit
einem pH-Wert von sechs bereits 10 mal mehr Säuren als solches mit einem pH-Wert
von 7 enthält. Wasser mit einem pH-Wert gar von fünf enthält bereits 100 mal
mehr Säuren als solches mit einem Wert von 7. Sogenannte Schwarzwasseraquarien,
in denen südamerikanische Fische wie etwa Skalare oder der häufig gehaltene Rote
Neon gut gedeihen, haben beispielsweise pH-Werte im Bereich von 5,5 bis 6,5.
Wasserpflanzen gedeihen am besten in Aquarien mit einem pH-Wert unter 7, da bei
diesen Werten in aller Regel auch der für das Pflanzenwachstum wichtige
Kohlensäurewert höher ist. In Wasser mit einem pH-Wert über 7, das als
„alkalisch“ bezeichnet wird, fühlen sich vor allem ostafrikanische Barsche wohl.
Carbonat- und Gesamthärte
Die Carbonathärte (KH) bezeichnet die Menge an Carbonat- und
Hydrogencarbonat-Ionen. Damit diese Anionen als Carbonathärtebildner fungieren
können, muss eine entsprechende Anzahl von Calcium- und Magnesium-Kationen
vorhanden sein. Die Carbonathärte stellt im Wasser einen Säurepuffer dar, der
eine starke und schnelle Veränderung des pH-Wertes verhindert. Wasser mit einem
niedrigen KH-Wert hat im allgemeinen einen niedrigen pH-Wert, während Wasser mit
einem hohen KH-Wert normalerweise alkalisch ist.
Die Gesamthärte (GH) bezeichnet die Summe aller im Wasser gelösten Ionen der
Erdalkalimetalle. Zu diesen zählen neben Magnesium und Calcium (ca. 80 %) unter
anderem Strontium und Barium. In der Aquaristik spielt die Gesamthärte meist
eine geringere Rolle als die Carbonathärte. Normalerweise ist die Karbonathärte
geringer als die Gesamthärte.
Leitwert
Mit dem Leitwert wird die Summe aller
gelösten Salze im Wasser bezeichnet. Je mehr Salze im Wasser gelöst sind, desto
besser ist die Leitfähigkeit. Vollentsalztes Wasser leitet kaum noch Strom (eine
geringe Leitfähigkeit ist durch die Eigendissoziation immer gegeben).
Der Leitwert spielt insbesondere dann eine Rolle, wenn Weichwasserfische
gezüchtet werden sollen.
Salzgehalt und Redoxpotential
Eine Bestimmung des Salzgehaltes und des Redoxpotentials wird nur für
Brackwasser- und Meereswasseraquarien benötigt.
Die Dichte des Salzgehaltes wird mit einem Aräometer gemessen. Süßwasser hat bei
einer Temperatur von 4 Grad Celsius ein spezifisches Gewicht von 1,0. Tropisches
Meereswasser, also das Meerwasser, das normalerweise in einem Meerwasseraquarium
nachgebildet wird, hat dagegen bei dieser Temperatur wegen der gelösten Salze
und Spurenelemente ein spezifisches Gewicht zwischen 1,020 und 1,027.
Brackwasser liegt zwischen diesen beiden Werten. Die in der Aquaristik
verwendeten Aräometer sind auf 24 Grad Celsius geeicht.
Das Redoxpotential (rH-Wert) sagt aus, wie hoch das Wasser mit organischen
Substanzen belastet ist und welchen Gehalt an Sauerstoff es aufweist. Hohe Werte
deuten auf einen hohen Sauerstoffgehalt und einen geringen Gehalt an organischen
Stoffen hin. Gemessen wird der rH-Wert mit elektronischen Messgeräten. Bei der
Ermittlung der Werte müssen auch der pH-Wert sowie die Wassertemperatur
berücksichtigt werden.
Stickstoffumwandlung im Aquarium
Die Stickstoffumwandlung, die durch
Pflanzen und Mikroorganismen (einschl. Filter) im Aquarium stattfindet, wird
gelegentlich auch als Stickstoffkreislauf bezeichnet. Bei den wenigsten Aquarien
liegt jedoch tatsächlich ein Kreislauf vor, bei dem keine Eingriffe mehr
notwendig sind. Die Lebewesen im Aquarium sind in der Regel auf Futter
angewiesen und zur Nitratreduzierung ist ein regelmäßiger Teilwasserwechsel
notwendig.
Über die Kiemen und aus dem Urin der im Aquarium gepflegten Lebewesen sowie dem
unverbrauchtem Futter wird zunächst das giftige Ammoniak freigesetzt. In nicht
zu alkalischem Wasser liegt diese Stickstoffverbindung überwiegend als Ammonium
vor. Dieses ist für die Fische und Wirbellosen des Aquariums weniger schädlich.
Für Pflanzen stellt es sogar einen wertvollen Dünger dar. Lediglich bei hohen
pH-Werten und Temperaturen überwiegt Ammoniak. Für Fische stellt Ammoniak ein
starkes Gift dar. Ist Ammoniak im Wasser hoch konzentriert, sind diese nicht
mehr in der Lage, über die Kiemen Ammoniak abzuatmen. Sie vergiften sich dann
letztlich selbst.
Das Ammonium, das von den Pflanzen nicht als Nährstoff verbraucht wird, wird von
Mikroorganismen wie z. B. Nitrosomonas-Bakterien, die sowohl im Aquarium als
auch im Filter vorhanden sind, in Nitrit abgebaut. Nitrit ist wie Ammoniak für
Fische giftig und bereits ab Werten von 1 Milligramm pro Liter tödlich. Ein
plötzliches Hin- und Herschießen der Fische im Aquarium, apathisches Verhalten
oder hektisches Atmen weisen auf eine mögliche Vergiftung durch Nitrit hin.
Nitrit wird allerdings durch z. B. Nitrobacter-Bakterien in der nächsten Stufe
zu Nitrat umgewandelt. Dieser Prozess, bei dem unter Verbrauch von Sauerstoff
Ammonium zu Nitrit zu Nitrat umgewandelt wird, wird als Nitrifikation
bezeichnet. Nitrat ist für Fische nicht giftig. Er sollte jedoch gering gehalten
werden, um eine (teilweise) Denitrifikation (s. u.) im Aquarium oder Körper des
Fisches zu vermeiden, die letztlich wieder Nitrit freisetzen würde. Nitrat wird
daher durch den regelmäßigen Teilwasserwechsel aus dem Aquarienwasser entfernt.
Neben der Nitrifikation findet noch ein weiter Prozess statt, bei dem von
Mikroorganismen Nitrat als Ersatz für Sauerstoff veratmet wird. Diesen anaerob
ablaufenden Prozess bezeichnet man als Denitrifikation. Er findet in den meisten
Aquarien kaum statt und kann bei Bedarf z. B. durch spezielle Filter unterstützt
werden.
Wirtschaft, Wissenschaft, Natur-
und Tierschutz
Herkunft der im Aquarium gepflegten Lebewesen
Die meisten regelmäßig im
Zoofachhandel angebotenen Süßwasserfische stammen aus Nachzuchten. Geschätzt
wird, dass es jährlich 300 Millionen Zierfische sind, die für den Aquarienhandel
herangezogen werden.
Gezüchtet werden die Fische vor allem in Südostasien. Zuchtstationen befinden
sich vor allem im Umland von Hongkong, Singapur und Bangkok sowie in geringerem
Umfang auf Sri Lanka, Japan und Taiwan. Darüber hinaus gibt es große
Zierfischzuchten in Nord- und Südamerika, in einigen südafrikanischen Ländern
sowie Israel und Tschechien. Deutschlands größter Zierfischzüchter ist in Bad
Lauterberg ansässig und züchtet jährlich etwa eine Million Zierfische.
Zuchtanlagen für Meerwasserfische sind vor allem seit der Mitte der 1990er Jahre
entstanden.
Für den Flugzeugtransport in die Importländer werden die Fische in der Regel in
Beutel verpackt, die zu einem Drittel mit Wasser und zu zwei Drittel mit Luft
oder Sauerstoff gefüllt sind. Luft wird bei Arten wie Labyrinthfischen und
Panzerwelsen verwendet, da diese auch atmosphärische Luft atmen. Für sie wäre
reiner Sauerstoff tödlich. Gelegentlich wird dem Wasser auch ein
Betäubungsmittel beigegeben, damit der Stoffwechsel der Fische nicht zu hoch ist
und das Wasser nicht zu sehr belastet wird. Zierfischexporteure lassen außerdem
ihre Fische vor dem Transport einige Tage fasten, um die Wasserbelastung niedrig
zu halten. Die Beutel werden dann in Styroporboxen verpackt und an ihre
Bestimmungsorte geflogen. Eine der großen Frachtflughäfen, an denen viele
Zierfische ankommen, ist der Frankfurter Flughafen. Importeure sind in der Regel
Großhändler, die die Fische zunächst in Quarantänebecken halten und in der Regel
erst nach sieben bis 14 Tagen in den Verkauf gelangen.
Nach wie vor werden außerdem weltweit
Fische, Pflanzen und Wirbellose aus der freien Natur für den Tier- und
Pflanzenexport entnommen. Vor allem in Länder mit einem niedrigen
Pro-Kopf-Einkommen kann dies in ländlichen Regionen für Bevölkerungsteile eine
wesentliche Einkommensquelle darstellen. Regelmäßig importiert werden vor allem
Fische, die gar nicht oder nur sehr schwer nachzuzüchten sind. Darüber hinaus
besteht eine große Nachfrage nach aquaristischen Neuheiten. Die Zahl der
Wildfänge wird auf 30 Millionen pro Jahr geschätzt.
Die negativen Auswirkungen der Sammlung von Fischen und Pflanzen werden immer
wieder kritisch diskutiert. Als Kritikpunkte werden unter anderem angeführt,
dass beim Wildfang von Riff-Fischen Korallenriffe zerstört, sehr viele andere
Tierarten als Beifang entnommen und Artbestände so stark geplündert werden, dass
Populationen im ursprünglichen Verbreitungsgebiet zusammenbrechen.
Sammelexpeditionen sind langwierig, kostspielig und nicht immer erfolgreich. Der
Transport zu den Exportzentren kann für die Tiere sehr belastend sein. Viele
Aquarianer halten deshalb nur Fische aus Nachzuchten. Unter US-Aquarianern, die
sich auf die Meerwasseraquaristik spezialisiert hatten, gaben in einer 1997
durchgeführten Umfrage zwei Drittel der Befragten an, dass sie lieber Fische aus
Nachzuchten kaufen würden als Wildfänge. 80 Prozent der Befragten gaben außerdem
an, dass nur solche Fische in den Handel gelangen sollten, bei denen entweder
durch Fangquoten der Fortbestand der Art vor Ort sichergestellt ist oder die
direkt aus Nachzuchten stammten.
Tierschutz-Aspekte
Eine artgerechte Haltung von Fischarten im Aquarium ist möglich. Sie setzt
wie bei jeder Haltung von Lebewesen ein ausreichendes Wissen voraus. Viele
Aquarianer investieren viel Zeit und Geld, um ihren Fischen oder Wirbellosen
artgerechte Bedingungen zu bieten. Eine Reihe von Aquarianern halten auch
bewusst nur solche Tiere, die nachzüchtbar sind und unternehmen zum Teil große
Anstrengungen, um seltenere Fischarten nachzuzüchten.
Ist kein ausreichendes Wissen vorhanden, können in einem Aquarium sehr schnell
Bedingungen entstehen, die als Tierquälerei angesehen werden können. Typische
Haltefehler sind:
-
ein zu hoher Besatz an Fischen und
Wirbellosen. Es gibt unterschiedliche Faustregeln, die maximale Besatzgröße im
Aquarium zu berechnen. Als Anhaltspunkt kann gelten, dass pro Zentimeter Fisch
zwei Liter Wasser im Aquarium notwendig sind. (bezieht sich auf die Länge der
ausgewachsenen Tiere)
-
die Vergesellschaftung von
Tierarten, die untereinander unverträglich sind,
-
die Haltung von Tierarten bei
Wasserwerten, die außerhalb des Spektrums liegen, bei denen sie sich
wohlfühlen. Auch eine zu starke Fütterung kann dazu beitragen, dass sich
Wasserwerte im Aquarium verschlechtern und ein für die Fische erträgliches Maß
übersteigen. Nicht durchgeführte Teilwasserwechsel führen gleichfalls meist zu
schlechten Wasserwerten (s. jedoch Altwasseraquaristik).
-
die Einzelhaltung von
Schwarmfischen
-
die Gruppenhaltung von Fischen und
Wirbellosen mit territorialem Verhalten in nicht ausreichend großen Becken, so
dass die Tiere ein stark aggressives Verhalten untereinander zeigen.
-
die Haltung von Fischen in nicht
der Fischgröße entsprechenden Becken.
Im besten Fall reagieren die Fische
auf diese Haltefehler mit verzögertem Wachstum und verringerter Farbpracht.
Häufiger gehen die Fische allerdings zugrunde, wobei sich das Sterben über
mehrere Monate hinziehen kann.
Viele Mitarbeiter des Zoofachhandels sind fachlich kompetent und raten vom Kauf
bestimmter Fischarten ab, wenn sie den Eindruck haben, dass der Käufer nicht die
geeigneten Haltevoraussetzungen bietet. Die Qualität der Beratung ist allerdings
personenabhängig. Bei einigen Arten werden Zuchtformen angeboten, die aus Sicht
einer sehr großen Zahl von Aquarianern Qualzuchten darstellen. Dies sind
beispielsweise Goldfische mit teleskopartig vergrößerten Augen oder so stark
vergrößerten Flossen, dass ein artgerechtes Verhalten den Tieren nicht mehr
möglich ist. Regelmäßig werden außerdem Arten angeboten, die sehr spezielle
Halteanforderungen stellen, die die wenigsten Aquarianern erfüllen können. So
wird beispielsweise das Silberflossenblatt regelmäßig als Süßwasserfisch
angeboten, obwohl der Fisch im ausgewachsenen Zustand ein 1.400-Liter-Aquarium
mit Brackwasserbedingungen benötigt.
Erhaltungszuchten
Eine Reihe von Fischarten, Wirbellose als auch Wasserpflanzen sind vom
Aussterben bedroht oder gelten als in der freien Natur bereits ausgestorben.
Tropische Lebewesen haben zum Teil nur sehr kleine Verbreitungsgebiete. So ist
der südamerikanische Villavicencio-Zwergbuntbarsch nur in wenigen Gewässern in
der Nähe der kolumbianischen Stadt Villavicencio am Fuße der Anden gefunden
worden und ist durch Biotopzerstörung bedroht. Der Endlers Guppy aus der Familie
der Lebendgebärenden Zahnkarpfen stammt aus einer einzigen Süßwasser-Lagune im
Nordosten Venezuelas. Er gilt in der freien Natur als ausgestorben; als
Aquarienfisch wird er jedoch sowohl von Privatpersonen als auch öffentlichen
Zoos wie beispielsweise dem Kölner Zoo gezüchtet. Dies gilt auch für eine ganze
Reihe anderer Arten. Die Fachzeitschrift Aquarium Live veröffentlichte
beispielsweise in ihrer Ausgabe vom April/Mai 2006 einen Aufruf von Professor
Dr. Peter Finke, sich an der Erhaltungszucht der Gattung Parosphromenus zu
beteiligen. Diese Fische gehören zu den am meisten bedrohten Labyrinthfischen,
da ihr Lebensraum durch Waldabholzung bedroht ist. Die in sehr sauren, fast
mineralstofffreien Urwaldbächen Südostasiens lebenden Fische sind allerdings in
ihrer Haltung sehr anspruchsvoll und werden äußerst selten im Zoofachhandel
angeboten. Es existiert aber ein Arbeitskreis, der sich zum Ziel gesetzt hat,
das Aussterben dieser Fischgattung zumindest in Aquarien aufzuhalten.
Erhaltungszuchten sind jedoch nicht einfach durchzuführen. In Gefangenschaft
gezüchtete Fische können sich sehr schnell in Körperform und Färbung deutlich
von denen in freier Natur lebenden Artgenossen unterscheiden.
Wissenschaft und Aquaristik
In Aquarien gehaltene Lebewesen haben immer wieder eine Rolle in den
Naturwissenschaften gespielt. Das gilt von den Sauerstoffforschungen von
Priestley anhand von Wasserpflanzen im 18. Jahrhundert über die Beobachtungen
von Konrad Lorenz über Territorialverhalten am Beispiel des Stichlings im frühen
20. Jahrhundert bis zu den Untersuchungen über Auswirkungen von in Wasser
gelösten Schadstoffen heute. Die Aquaristik führt auch dazu, dass Tier- und
Pflanzenarten eingeführt werden, die bislang noch nicht wissenschaftlich
beschrieben wurden. Für einige Fischfamilien, bei denen die Anzahl der neu
entdeckten Arten die Geschwindigkeit übersteigt, mit der diese eingeordnet
werden, behelfen sich Aquarianer mit Code-Systemen. So werden beispielsweise
noch nicht klassifizierte Harnisch-Welse mit L-Nummern bezeichnet. Die
Rückwirkung des mit der Aquaristik verbundenen kommerziellen Interesse auf die
Forschung lässt sich auch an einer gänzlich anderen Familie zeigen:
Wissenschaftliche Untersuchungen bei im Süßwasser lebenden Garnelen
konzentrierten sich vor wenigen Jahren noch auf die für den menschlichen Verzehr
in Shrimp-Farmen gezüchteten Felsengarnelen. Erst seitdem es eine Nachfrage für
in Aquarien haltbare Arten gibt, hat sich hier die Forschung auch auf die
zahlreichen anderen Garnelenarten ausgedehnt.
Wirtschaftsfaktor Aquaristik
Geschätzt wird, dass von einhundert deutschen Haushalten etwa vier bis sechs
mindestens ein Aquarium pflegen. Etwa vierzig Prozent der Aquarianer besitzen
mehr als ein Aquarium. Der Industrieverband Heimtierbedarf veranschlagte den
Umsatz mit Aquarienbedarf für 2003 mit 189 Millionen Euro. Damit geben
Aquarienbesitzer für ihr Hobby mehr aus als Hunde- oder Katzenbesitzer; nicht in
dieser Zahl enthalten ist der Umsatz von Wassertieren und -pflanzen. 2003 wurden
für mehr als 20 Millionen Euro Zierfische von Großhändlern importiert. Da die
Einzelverkaufspreise im Zoofachhandel deutlich über den Importpreisen im
Großhandel liegen, wird der jährliche Umsatz auf einen hohen zweistelligen
Millionenbetrag geschätzt.
Öffentliche Schauaquarien
Die meisten Zoos zeigen auf ihrem Gelände auch Aquarien. Berühmt ist das
Aquarium im Zoologischen Garten Berlin, der eines der ältesten Aquarien in
Deutschland besitzt. Der Aquazoo Düsseldorf verfolgt ein besonders interessantes
Konzept. Dieser Zoo, der gleichzeitig Naturkundemuseum ist, bemüht sich in
seiner Ausstellung, die Adaption von Tieren an ihren Lebensraum deutlich zu
machen. Die Sammlung ist nach pädagogischen Aspekten aufgebaut.
Zu den zahlreichen öffentlichen Schauaquarien gehören auch das Deutsches
Meeresmuseum in Stralsund, das Ozeaneum Stralsund und das Seewasseraquarium in
Wilhelmshaven. Sehenswert ist auch das Oceanário de Lisboa in Lissabon, das
anlässlich der Weltausstellung 1998 errichtet wurde und das als das zweitgrößte
Meerwasseraquarium der Welt gilt, oder das 2001 eröffnete Ozeanium im Zoo von
Rotterdam.
Das derzeit größte Aquarium der Welt befindet sich in Atlanta, USA. Die riesigen
Becken fassen mehr als 30 Millionen Liter Wasser. Über 500 verschiedene Spezies,
gesamthaft rund 120000 Meeresbewohner, finden Platz in diesem künstlichen Riff.
Hauptattraktion sind zwei junge Walhaie. Das derzeit in Großbritannien
entstehende Institut in der Grafschaft Bedfordshire soll zwei riesige Biosphären
umfassen, die 200 Aquarien mit Frischwasserfischen, Amphibien und Reptilien
enthalten. Die Baukosten dieses Aquariums sind mit 350 Millionen Euro
veranschlagt. Es soll im Jahre 2010 fertig errichtet sein.
Wegen der Haltung solcher Meerestiere werden diese Aquarien häufig kritisiert.
Besonders häufig steht die US-amerikanische Sea-World-Kette mit ihren Delphin-
und Orca-Shows in der Kritik, da bezweifelt wird, dass derart großen
Meerestieren eine artgerechte Haltung geboten werden kann. Die ebenfalls
kommerzielle britische Kette Sea Life Centre verfolgte zumindest in Deutschland
ein anderes Konzept und arbeitete bis 2006 mit Greenpeace zusammen. Greenpeace
nutzte die Räumlichkeiten für eigene Ausstellungen. Die Sea Life Centre zeigten
dafür keine Hochseehaie, tropische Fischarten und bedrohte Arten. Diese
Verpflichtung verhinderte allerdings auch, dass sich die Sea Life Centre an
Erhaltungszuchten beteiligen.
Schauaquarien in kleinerem Maßstab betreiben auch einige Aquarienvereine, die in
Deutschland überwiegend im Verband Deutscher Vereine für Aquarien- und
Terrarienkunde e. V. organisiert sind. Andere europäische Vereins haben sich
überwiegend in der European Aquaristic and Terraristic Association
zusammengeschlossen.